Literarisches Programm
der 24. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage

Literarisches Programm
der 24. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage

Zwischen Märchen und Musik gibt es viele Schnittpunkte, was aus der großen Anzahl vertonter Märchen in Opern, Filmen, Hörspielen und Tanzdarbietungen ersichtlich ist. Das diesjährige Motto „Glöckchen, Flöten, Zaubergeigen –Musik im Märchen“ schließt diese Verbindung weitgehend aus und betrachtet stattdessen die Volksmärchen, in denen die Musik eine eigenständige Gestaltungsform ist, die die Handlung des Märchens vorantreibt oder sogar verändert.


Um diesen Aspekt zu illustrieren, konnten wieder herausragende bereits in Reichelsheim bekannte und auch neue Erzählerinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gewonnen werden.


So wird die Lange Nacht der Märchen eingeleitet von  Frau Prof. Dr. Kristin Wardetzky, die Wildweibchenpreisträgerin von 2016. Sie ist bekannt durch temperamentvolle und geistreiche Erzählungen, auch aus anderen Kulturen und deren Geschichte, als auch als wissenschaftliche Vermittlerin mythologischer Zusammenhänge vorwiegend aus der griechischen Mythologie, die sie kurzweilig und leicht dem Publikum darbietet. Auch in diesem Jahr ist Griechenland ihr Thema. Sie erzählt „Wie ein Säugling die Lyra erfand –Musik in der griechischen Götterwelt“.


…der Himmel hängt voller Geigen“ behauptet Angelika Schreurs aus Düsseldorf, die beim Figurentheater Kolleg in Bochum ihre Ausbildung absolviert hat und schon im letzten Jahr die Zuhörer mit ihrem pointierten Vortrag und ihrem ansteckenden Lachen erfreut hat.
Nach einer kurzen Pause tritt eine neue Erzählerin auf. Sie kommt aus München, heißt Katharina Ritter und erzählt „So schaurig & schön, wie man´s noch nie gehört hat“ Sagenhaftes aus Berg und Tal. Frau Ritter begann ihre künstlerische Ausbildung nach einer kaufmännischen Tätigkeit. Sie studierte unter anderem Stimmbildung  und Schauspiel und ist seither als Erzählerin unterwegs. Sie hat schon nationale und internationale Preise gewonnen wie 2006 als beste deutschsprachige Geschichtenerzählerin und 2011 die Goldene Spindel bei einem Märchenfestival.
Auf eigenen Wunsch, der auch dem Wunsch vieler Zuhörer entspricht, beschließen Michaele Scherenberg und ihre Begleiterin mit dem Harfe Stefanie Bieber das abendliche Programm mit dem Geschichtenkranz „Der singende Teppich“. Der phantasievollen, romantischen Erzählerin, die immer wieder spontane Anleihen in Mythologie und Lyrik macht, und der Instrumentalpädagogin Stefanie Bieber wird es auch zu später Stunde gelingen, das Publikum durch eine stimmungsvolle Verflechtung von Text und Musik in ihren Bann zu ziehen und den Zauber der Märchen spürbar zu machen.


Der Samstag beginnt mit einem Kurzvortrag des pensionierten Reichelsheimer Oberstudienrats  Gerd Schwinn, der über Jahrzehnte der Volkskunde eng verbunden und auf diesem Gebiet auch literarisch tätig war. Viele Jahre war er Vorsitzender der Hess. Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege. Er bringt sich erstmalig in das Programm ein unter dem Titel „Von Zeus zur Zauberflöte“ und legt damit einen Schwerpunkt auf die Welt der Sagen.


Die Wildweibchenpreisträgerin 2018, Frau Dr. Barbara Gobrecht, betrachtet  anschließend die Bedeutung der Musik in den Liebesmärchen. Frau Dr. Gobrecht versteht es besonders gut, wissenschaftliche Erkenntnisse anhand von Beispielen aus Märchen zu erläutern, wobei sie beides, Märchentexte und thematische Zusammenhänge mit Witz und Charme vermittelt.


Prof. Dr. Hans-Jörg Uther, Preisträger 2017,  befasst sich als Wissenschaftler mit Erzähl- und Sprachforschung, der Volkskunde, der Bedeutung der Brüder Grimm und der Märchenforschung. Er ist Träger nationaler und internationaler Preise  und Herausgeber zahlreicher Standardwerke und Märchenausgaben. In  seinem Vortrag mit Bildern untersucht er, welchen Einfluss die Verführung durch Musik in Märchen und Sagen haben kann, und zwar am Beispiel der alten Sage der Brüder Grimm vom Rattenfänger von Hameln, der zwar die Stadt von der Rattenplage befreit, aber über 100 Kinder aus der Stadt führt, die nie wiederkehren. Prof. Uther, der mit Vorträgen und Workshops sowie vielen hilfreichen Vorschlägen die Märchentage bereichert und unterstützt hat, ist mit dieser Sage besonders verbunden, weil Hameln seine Heimatstadt ist.


„Wenn in Märchen von Musik die Rede ist“ heißt der Vortrag der designierten Preisträgerin dieses Jahres, in dem sie sich und ihre  Arbeiten vorstellt. Frau Prof. Tüpker studierte Musikwissenschaft, Psychologie, Philosophie und Musiktherapie und lehrt an der Universität Münster. Die Verbindung von Märchenforschung und Musiktherapie ist einer ihrer Forschungsschwerpunkte. Ein wesentliches Ergebnis ihrer Forschung ist ist ihr Buch „Musik im Märchen“, in dem sie die Bedeutung der Musik in 329 europäischen  Volksmärchen untersucht. Es ist die umfassendste Sammlung dieser Art, wissenschaftlich erschlossen nach mehreren Kriterien.


Die Laudatio auf die Preisträgerin wird beim Festabend Jan Reichow halten, ein Musiker und Musikwissenschaftler aus Köln, der als Musikredakteur beim WDR gearbeitet hat.    
Das literarische Programm am Sonntag will wie jedes Jahr vor allem Kinder und Familien ansprechen. So spielen in allen Erzählungen Bewegung und Tanz eine große Rolle.


Wenn Angelika Schreurs von „Elfentanz und Sternenzauber“ erzählt, werden auf phantasievolle Weise, mit Lust an Überraschungen, Kinder in die Geschichten einbezogen.
Das gilt auch für die Vorträge von Wildweibchenpreisträgerin Karola Graf, die geheimnisvoll und sensibel gestaltet sind, in diesem Jahr unter dem Titel „So tanzten sie vom Mittag bis zum Abend“. Karola Graf wird die unterschiedlichsten Requisiten aus ihrem Märchenkoffer auspacken, um gemeinsam mit den Kindern den Geschichten auf die Spur zu kommen.


Spannend und witzig ist der schon der Titel des Beitrags der Preisträgerin von 2016, Prof. Kristin Wardetzky, der Überraschungen verspricht.  „Kann ein Esel Gitarre spielen und eine Maus auf einem Strohhalm tanzen“ fragt sie und weckt damit die Neugier nicht nur der Kinder.


Die nächste Erzählerin ist Annette Martin aus Bad Brückenau, die im letzten Jahr in Vertretung der Schirmherrin von der Europäischen Märchengesellschaft zu den Märchentagen kam und die von der Art der Durchführung so begeistert war, dass sie jetzt aktiv mitmacht und Märchen von Musik und Tanz unter dem Motto „…da erklang eine wundersame Melodie“ erzählt.


Michaele Scherenberg bringt die unterschiedlichsten kleinen Instrumente mit und erzählt „Märchen mit Musik zum Mitmachen für kleine und große Leute“. Durch ihre Reisen in der ganzen Welt, ihre Aktivitäten in Funk und Fernsehen sowie in den sozialen Medien hat sie ein sehr großes Repertoire an Geschichten und in ihrem „Wohlfühlhaus“  hat sie Bücher, Instrumente und andere schöne Dinge gesammelt. Mit ihrem Vortrag zeigt sie, wie leicht Märchen und Musik miteinander zu verbinden sind, wie Texte in Musik umgesetzt werden können, weil beide auf Phantasie und Gefühl beruhen.
Zum Abschluss der diesjährigen Märchentage liest Hanna Dunkel aus Bad Homburg das Märchen „Taraxacum und die Zauberblume“. Sie hat vor vielen Jahren ihre teilweise in Anthologien veröffentlichten Märchen vorgelesen und ist seither eine treue Besucherin und wohlwollend-kritische Begleiterin der literarischen Veranstaltungen.


Sie werden ergänzt durch viele Kindertheateraufführungen, durch Lesungen und andere Aktivitäten der Vereine, der Gewerbetreibenden, der Kirchen, Schulen und Kindergärten und im Bereich des Mittelaltermarktes.

Ellen Schmid